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27 März 2009

Surprise

Irgendwo hatte sie gelesen, dass die Trinkwasseraufbereitung in Eferding übt und weil sie vor etlichen Jahren bei der Trinkwasseraufbereitung ihre Leidenschaft für die internationale Hilfe entdeckt hatte, machte Edith sich auf ihr einen Besuch abzustatten. Natürlich verlangte das überraschende Zusammentreffen mit der viel Reisenden nach einem ausführlichen briefing.

Edith Rogenhofer...

03 März 2009

Cholera, viele Erfahrungen und zehn Trillionen Dollar

Cholera, viele Erfahrungen und zehn Trillionen Dollar

KATSDORF. Gerhard Derntl war für „Ärzte ohne Grenzen“ in den Cholera-Gebieten in Simbabwe im Einsatz. Reicher wurde der Katsdorfer sowohl an Erfahrung als auch um einen Zehn-Trillionen-Dollar-Schein. Der ist allerdings völlig wertlos.

OÖN: Sie waren drei Monate für „Ärzte ohne Grenzen“ in Simbabwe, sind aber selbst kein Mediziner. Wie geht das?

Derntl: Ich habe eine HTL gemacht und kenne mich gut mit Wasserversorgung und Abwasserentsorgung aus. Dieses Wissen ist in den Krisengebieten, in denen „Ärzte ohne Grenzen“ tätig ist, von großer Bedeutung. In Simbabwe, wo gerade eine Cholera-Epidemie wütet, natürlich umso mehr.

OÖN: Worin genau bestand Ihre Aufgabe?

Derntl: Einerseits galt es, die medizinischen Stationen mit sauberem Wasser zu versorgen, damit dort die Patienten behandelt werden konnten. Wer an Cholera leidet, ist meist völlig dehydriert und braucht dringend Flüssigkeitsinfusionen. Es gab Patienten, denen 15 Liter und mehr verabreicht wurden. Da muss der Nachschub schon gut klappen. Manchmal kamen täglich 250 neue Patienten ins Camp, viele davon mit ihrer ganzen Verwandtschaft im Anhang. Ein zweiter Punkt war, den Menschen zu zeigen, wie sie ihr Trinkwasser selbst chlorieren können, damit sich die Bakterien nicht weiter ausbreiten.

OÖN: In einer 40-Stunden-Woche ist das wohl nicht zu bewältigen?

Derntl: Mein Arbeitstag dauerte meistens 16 Stunden, sechs Mal in der Woche. Und selbst danach beschäftigt man sich mit diesem oder jenem Problem, das noch im Kopf herumgeistert. Deshalb sind die Einsätze bei „Ärzte ohne Grenzen“ ja zeitlich limitiert. Nach drei Monaten bist du sowieso völlig fertig. Aber es ist natürlich auch eine große Befriedigung, wenn man den Menschen mit seinem Einsatz das Überleben sichert.

OÖN: Wie haben Sie die wirtschaftlichen Probleme Simbabwes mitbekommen?

Derntl: Die Inflation ist schon sagenhaft. Ich habe als Souvenir eine Zehn-Trillionen-Simbabwe-Dollar-Note mitgenommen. Die ist aber so gut wie nichts wert. Wenn Patienten Geld mit ins Krankenhaus genommen haben und zwei Tage später entlassen wurden, war alles schon wieder wertlos.

OÖN: War Simbabwe Ihr erster Einsatz?

Derntl: Ich war vergangenen Sommer schon in Myanmar. Dort habe ich nach der Wirbelsturm-Katastrophe ebenfalls in der Trinkwasserversorgung gearbeitet. Das war ein Monat, nachdem ich meine Ausbildung für die Organisation gemacht hatte.

OÖN: In Krisenregionen als Helfer zu arbeiten – ein Kindheitswunsch?

Derntl: Es war eher so, dass ich immer schon gerne gereist bin. Mit Rucksack und ganz ohne Luxus. Im Dezember 2004 war ich auf den Andamanen-Inseln in Indien, als der Tsunami die Region verwüstete. Ich war mittendrin, hatte mein gesamtes Gepäck verloren, blieb aber unverletzt. Weil nach der Flut alles kaputt war, habe ich eben mitgeholfen, das Nötigste wieder herzurichten. Dieses Erlebnis hat mich so lange beschäftigt, bis ich drei Jahre später Kontakt zu „Ärzte ohne Grenzen“ aufgenommen habe.

08 Februar 2009

Ärzte ohne Grenzen: "Täglich sterben 400 Simbabwer an Aids"

Von Jens Wiegmann
Menschen trinken Abwasser, Fäkalien fließen durch die Straßen, das Gesundheitssystem ist am Ende. Frank Dörner, Geschäftsführer Deutschland von Ärzte ohne Grenzen, ist gerade aus Simbabwe zurückgekehrt. Er berichtet über die Angst vor Cholera und einer Krankheit, die noch viel gefährlicher ist.

WELT ONLINE: Wie ist die Situation in Simbabwe?

Frank Dörner: Das Abwassersystem ist zusammengebrochen, die Fäkalien fließen durch die Straßen. Die Regenzeit macht gerade alles noch schlimmer, die Brunnen werden überflutet und verseucht. In einigen bevorzugten Bezirken der Hauptstadt gibt es zwar noch eine Trinkwasserversorgung. Aber auch das Wasser ist bedenklich, wie unsere Proben zeigen. Die Chlorung reicht offenbar nicht aus, die Entfernungen, über die das Wasser gepumpt wird, sind zu groß, und die Konzentration mit Chlor ist zu gering.

WELT ONLINE: Aber woher bekommen die Menschen Wasser?

Dörner: Zum Teil schöpfen sie es ab, wenn eine Leitung ein Leck hat. Andere haben ihre eigenen kleinen Brunnen gegraben. Man kommt recht schnell an Wasser, weil der Pegel hoch liegt. Dadurch ist aber auch die Gefahr der Verunreinigung groß, das Wasser ist häufig verseucht. Dasselbe gilt für natürliche Quellen. Und im schlimmsten Fall, wie beispielsweise in dem Ort Kadoma, wo es einen Monat lang überhaupt kein Frischwasser gab, trinken die Menschen das Abwasser.

WELT ONLINE: Wie stark hat sich die Cholera, die vor allem durch verunreinigtes Wasser übertragen wird, verbreitet? Laut Weltgesundheitsorganisation ist die Krankheit außer Kontrolle.

Dörner: Als schlimmster Fall wurde bislang eine Infektion von 60.000 Menschen in Simbabwe angenommen diese Zahl ist längst überschritten. Und es werden noch wesentlich mehr werden, mindestens bis Ende April, Anfang Mai. Irgendwann ist die Durchseuchung zwar so hoch, dass bei den Überlebenden eine Immunisierung eintritt. Aber nur gegen die jeweilige, bestimmte Variante der Cholera, und nur für ein paar Monate. Dann kann alles von vorn losgehen. In Simbabwe sehen wir eine der schlimmsten Choleraepidemien der Neuzeit.

WELT ONLINE: Ist Hilfe noch möglich?

Dörner: Wenn man anfangs schnell auf einen Ausbruch reagiert und Infizierte rechtzeitig behandelt, kann man die Epidemie gut eindämmen. Die Sterberate beträgt etwa fünf Prozent, wer rechtzeitig Flüssigkeit und Antibiotika bekommt, hat gute Chancen. Die Reaktionen waren aber schleppend und unkoordiniert, Hilfsorganisationen hatten allerlei administrative Hürden zu überwinden. Heute kümmern wir uns um die Kranken. Ärzte ohne Grenzen behandelt etwa 75 Prozent aller Cholerainfizierten im Land und versuchen, so viele Leben wie möglich zu retten.

WELT ONLINE: Wie steht es um das simbabwische Gesundheitssystem?

Dörner: Es galt früher als sehr gut, mittlerweile ist aber alles zusammengebrochen. Normale Menschen haben keinen Zugang mehr zum öffentlichen Gesundheitssystem, es ist nicht mehr existent. Es gibt noch private Krankenhäuser, die sind jedoch ebenfalls fast leer, weil sich die Bezahlung in US-Dollar oder südafrikanischen Rand kaum jemand leisten kann. Die Regierung hat zwar gerade zwölf Nullen bei der einheimischen Währung, dem Sim-Dollar, gestrichen, um die Hyperinflation in den Griff zu bekommen, aber der Effekt dürfte gering sein, wenn überhaupt spürbar. Das Geld ist inzwischen so wenig wert, dass es die Leute achtlos auf die Straße werfen.

WELT ONLINE: Wie groß ist die Gefahr durch Aids?

Dörner: Meines Erachtens noch viel größer als durch Cholera. Simbabwe gehört zu den Ländern mit den meisten HIV-Infektionen beziehungsweise Aids-Kranken man schätzt 15 bis 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Täglich sterben schätzungsweise 400 Simbabwer an Aids. Auch hier findet eine Behandlung quasi nicht statt. Wir behandeln beispielsweise in dem Slum Epworth bei Harare 2400 Erkrankte mit antiretroviralen Medikamenten. Aber von den 500000 Einwohnern dürften etwa 20000 akut behandlungsbedürftig sein. Besonders gefährlich ist die Kombination von Aids, Cholera und Unterernährung. Diese Menschen haben kaum eine Überlebenschance.
Quelle: Welt online

23 Dezember 2008

Gesetz der Katastrophe

Der Beschluss des Auslandskatastrophenfondsgesetzes nach dem Tsunami sei offenbar nur Anlassgesetzgebung gewesen. So sehen es die Hilfsorganisationen Rotes Kreuz und Ärzte ohne Grenzen. Sie hätten sich durch das Gesetz rascherere und mehr Hilfe auch bei anderen Katastrophen erhofft. Aber seit dem Tsunami sei kaum mehr Geld über den Fonds geflossen, und auch bei der Tsunami-Hilfe habe es bekanntlich massive Ungereimtheiten gegeben, sagt Franz Neunteufl, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen.

Es habe sich die Befürchtung bestätigt, "dass der Auftrag dezitiert lautete, ein Wischi-Waschi-Gesetz zu machen, das sozusagen das Deckmäntelchen für die geplanten öffentlichkeitswirksamen Aktionen der damaligen Bundesregierung hergeben sollte. Und so ist es ja dann auch geschehen: Es wurden 50 Millionen Euro zugesagt. Unterm Strich sind neun Millionen davon übrig geblieben, die in erster Linie dafür verwendet wurden, um die Ausgaben der Ministerien zu decken.

Launsky-Tiefenthal dementiert

Es sei nach dem Tsunami aber auch die Arbeit von Bundesheer-Soldaten im Katastrophengebiet finanziert worden, entgegnet der Sprecher des Außenministeriums, Peter Launsky-Tiefenthal. Und als Beispiel, dass doch noch Geld aus dem Fonds geflossen ist, nennt er das große Erdbeben in Pakistan.

Keine Aktivierung des Auslands-Katastrophenfonds

Das war aber vor drei Jahren sagt Max Santner, Leiter der Internationalen Hilfe beim Roten Kreuz. Dabei hätte seither durchaus auch Bedarf bestanden: "Wenn wir die großen Katastrophen der vergangenen Jahre hernehmen wie den Wirbelsturm in Myanmar oder das Erdbeben in China, würden wir rascher in unseren Hilfsaktivitäten vorort sein können, denn es würde rascher eine Finanzierung zur Verfügung gestellt werden können. In beiden Fällen ist der Auslands-Katastrophenfonds nicht aktiviert worden."

"Faktenlage musste erst geprüft werden"

Bisher musste der Fonds durch einen Beschluss der Bundesregierung erst dotiert werden. Laut Außenministeriumssprecher Launsky-Tiefenthal mussten davor die jeweils zuständigen Ministerien nämlich Gesundheits-, Verteidigungs-, Innen- und Außenminsterium die Faktenlage prüfen. Schließlich gehe es um Steuergelder, sagt Launsky.

Geldsumme soll vorher fixiert werden

Der Rot-Kreuz-Verantwortliche Santner meint aber, wenn von vornherein eine fixierte Geldsumme festgelegt wäre, könnte das Außenministerium alleine und im Sinne von "wer rasch hilft, hilft doppelt" agieren. Tatsächlich plant das Außenminsiterium jetzt eine Änderung in diese Richtung. Ministeriums-Sprecher Launsky-Tiefenthal: "Es ist so, dass jetzt in die Budgetverhandlungen hineingegangen wird, um so eine Fixdotierung zu bekommen, und die Mittel würden dann sowohl dem direkten Einsatz der Regierungen, aber auch den NGOs und Hilfsorganisationen zugute kommen. Das hieße jedenfalls schnellere Hilfe, was die Höhe der Dotierung anbelangt."

Dass weiterhin genau kontrolliert werden muss, was mit den Steuergeldern geschieht, darüber sind sich Santner und Launsky-Tiefenthal einig. Die Chancen, dass sich das Außenministerium durchsetzt und dass unter der neuen Bundesregireung tatsächlich fix dotiertes Geld in den Auslandskatastrophenfonds fließt, stehen laut dem Ministeriumssprecher gut.

11 Juli 2008

„Vernunftehe“ voller Probleme" - Wenn Soldaten und NGOs zusammen marschieren

Ob im Tschad oder auf dem Balkan: Soldaten und zivile Helfer sind immer mehr aufeinander angewiesen.

Es war schon eine außergewöhnliche Mischung: Junge Frauen in bunten T-Shirts, ältere Herren in Sakkos und dazwischen Männer in französischen Militäruniformen. Sie alle hatten sich in der Cafeteria des UNHCR-Hauptquartiers in Abéché eingefunden, um über ein gemeinsames Anliegen zu diskutieren: die Hilfe für die zehntausenden Flüchtlinge im Osten des Tschad.

Die Arbeitsteilung bei der Mission ist klar: Die EU-Truppe Eufor, an der sich Österreich mit 160 Mann beteiligt, sorgt rund um die Flüchtlingscamps für Sicherheit. Für die Lager selbst ist das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR verantwortlich. Dazu kommt eine Reihe von Hilfsorganisationen, die sich ebenfalls um die Vertriebenen kümmern.

Ob im Tschad, in Afghanistan oder auf dem Balkan: Soldaten in internationalen Einsätzen müssen immer enger mit zivilen Helfern kooperieren – und umgekehrt. „Moderne Friedenseinsätze sind nur mehr im Verbund von Militär und zivilen Organisationen möglich“, meint der österreichische UN-Veteran General Günther Greindl. Selbst die USA hätten etwa in Afghanistan erkennen müssen, dass sie zwar einen Krieg führen können. Der Wiederaufbau des Staates sei aber ohne NGOs und internationale Organisationen nicht bewältigbar.

Doch in der Vernunftehe aus Militär und Hilfsorganisationen kriselt es immer wieder. „Ein Problem ist, dass zwei verschiedene Geisteshaltungen aufeinander treffen“, sagt Greindl. Auf der einen Seite stehen Soldaten, die Aufträge innerhalb hierarchischer Strukturen ausführen; auf der anderen Seite NGOs, denen oft alles Militärische suspekt ist. „Durch gemeinsame Ausbildung könnten Berührungsängste abgebaut werden“, so der Präsident der „Vereinigung Österreichischer Peacekeeper“. Eine Organisation, die eine Zusammenarbeit mit dem Militär möglichst vermeidet, ist „Ärzte ohne Grenzen“ – aus Sorge, nicht mehr als unparteiisch wahrgenommen zu werden. Besonders bedenklich sei, dass Armee-Einheiten zunehmend selbst als „Hilfsorganisationen“ auftreten, kritisiert Sabine Kampmüller, zuständig für Projektevaluierung bei „Ärzte ohne Grenzen“. „Wir sind in Afghanistan in Dörfer gekommen, wo Soldaten in T-Shirts Wasser verteilt haben.“ Und die Hilfe der US-geführten Truppen sei natürlich an Bedingungen geknüpft gewesen – etwa an die Auslieferung von Taliban-Kämpfern.

Die Afghanen könnten so kaum mehr zwischen Soldaten und neutralen Helfern unterscheiden. „Damit verlieren wir das Vertrauen der Menschen. Das wirkt sich negativ auf unsere Sicherheit aus.“

Auch im Tschad versucht „Ärzte ohne Grenzen“ auf Distanz zur EU-Truppe zu bleiben. „Wir begrüßen zwar, dass Eufor die Bevölkerung schützt. Für uns selbst haben wir aber nie um Schutz gebeten“, meint Kampmüller. Beim UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR entscheidet man von Fall zu Fall, ob und wie man mit Militärs kooperiert. So habe das UNHCR etwa 2006 nach schweren Überschwemmungen in Kenia 240 Tonnen Hilfe von den US-Streitkräften einfliegen lassen, berichtet UNHCR-Sprecher Roland Schönbauer. Und 2004 transportierten französische Hercules-Maschinen und Puma-Helikopter Versorgungsgüter für das UNHCR in die Flüchtlingslager im Tschad.

Gerade im Tschad ist die Kooperation zwischen dem UNHCR und der EU-Truppe, die ein UN-Mandat hat, eng. Bei aller Zusammenarbeit sei aber eines wichtig, meint Schönbauer: „Die Rollen müssen klar verteilt bleiben.“

Die neuen Herausforderungen für Soldaten im Umgang mit zivilen Organisationen sind auch Thema beim internationalen Blauhelmforum 2008 in Salzburg. Veranstaltet wird das Forum von der Vereinigung Österreichischer Peacekeeper.
Quelle: WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)
Bild: österreichisches Bundesheer

09 Februar 2008

Hilfe für Tschad-Flüchtlinge in Kamerun

Während Österreichs Soldaten weiter auf eine Entspannung der Lage im Tschad und den Marschbefehl der EU warten, flog der pensionierte Chirurg Hagen Ernstbrunner gestern ins Krisengebiet.

Schon bald wird der 63-jährige Arzt aus Niederösterreich in Kamerun eintreffen. In einem der vielen Camps nahe der Grenze zum Tschad will sich der Chirurg für die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ um die Versorgung tschadischer Kriegsflüchtlinge kümmern.

Keine leichte Aufgabe: Das Rote Kreuz und Ärzte ohne Grenzen gehen nach den jüngsten Unruhen davon aus, dass sich mehrere zehntausend Menschen auf den Weg nach Kamerun gemacht haben.

Eigentlich ist Ernstbrunner seit drei Jahren in Pension, und dennoch zieht es den Niederösterreicher immer wieder in Krisenregionen. Bereits elf Mal war er für Hilfsorganisationen im Ausland. „Ich mache das, weil ich helfen will“, sagt Ernstbrunner im Gespräch mit den OÖN einen Tag vor seiner Abreise. „In solch einem Land zu arbeiten, ist außerdem eine interessante fachliche und menschliche Herausforderung. Ein bisschen Abenteuerlust gehört natürlich auch dazu.“

„Leben ist immer Risiko“

Der Gefahr seines Einsatzes ist sich der erfahrene Arzt bewusst, Angst hat er keine: „Wenn man sein Leben wirklich lebt, besteht es immer aus Risiko.“ Seine Frau sehe das – erwartungsgemäß – anders: „Sie ist mit meinen Reisen nicht ganz zufrieden und leidet mehr als ich.“

Erschwert wird Ernstbrunners Arbeit vor allem durch die schlechte medizinische Ausrüstung vor Ort: „Ich werde zwar nicht mit einem Fallschirm in der Wüste abgeworfen, aber europäische Standards darf man nicht erwarten.“ Wie viele Patienten ihn erwarten, weiß der Chirurg nicht. „Ich rechne aber mit bis zu 100.000 Flüchtlingen, viele von ihnen mit schweren Schussverletzungen“, sagt Ernstbrunner, der mehrere Lager sowie die tschadische Hauptstadt N’Djamena besuchen wird.

Mit der psychischen Belastung kann der 63-Jährige gut umgehen. Seine Kindheit hat er auf der indonesischen Insel Java verbracht, das Leben in einem Dritte-Welt-Land ist ihm nicht fremd. „Ich habe einen Schalter in der Seele. Wenn ich im Kriegsgebiet bin, lege ich ihn um und passe mich an. Und handeln ist schließlich besser als zusehen.“

02 November 2007

Die EU schickt im Auftrag der UNO Soldaten in den Chaostaat Tshad.

Sie sollen für die Sicherheit der Flüchtlinge im Grenzgebiet zu Dafur sorgen. Ein sinnvolle Mission, doch Österreichs Millitär will wieder mal nur "humanitäre" Hilfe leisten. Ein Job den andere besser erledigen, findet Martin Staudinger im profil.

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