21 Januar 2010

relativiert

HÖRSCHING/PASCHING. Mit offenem Herzen ist Johanna Kilpatrick nach Afrika aufgebrochen und hat sich sofort angesteckt – auch nach ihrem drei Monate dauernden Hilfseinsatz in Tansania ist klar: Im Herbst wird sie erneut die Koffer packen, um weiter zu helfen.

Von mehr als 40 auf –2 Grad – das ist noch der geringste Unterschied, den Johanna Kilpatrick in den vergangenen Wochen zu verkraften hatte. Nach der Rückkehr von ihrem Hilfseinsatz im afrikanischen Tansania hat sich für die ehemalige Paschinger Hauptschuldirektorin vieles relativiert.

„Das war eine sehr tiefgreifende Erfahrung, die bei mir noch mehr Fragen aufgeworfen hat, speziell im Bereich Entwicklungshilfe“, sagt die 59-Jährige. Im September war sie aufgebrochen, um unter anderem den Bau einer Berufsschule in einem abgelegenen Teil des Landes, in Lumbila am See Nyasa (Malawisee), zu organisieren. Gemeinsam mit Hans Veit aus Aigen im Mühlkreis und dem Rohrbacher Bezirksschulinspektor Karl Danzer hat sie mit Unterstützung des Landes Oberösterreich, des Jugendrotkreuzes, der Oberösterreichischen Versicherung, des Lionsclub Rohrbach und zahlreicher privater Spender das Projekt ins Leben gerufen.

Keine Baumaterialien

Ob sich ihre Erwartungen erfüllt haben? Zum Teil. „Ich dachte, in den drei Monaten sollte der Bau weitgehend fertig sein. Aber in Afrika gehen die Uhren anders“, sagt Kilpatrick. Kein Strom, keine Maschinen, kein Baumaterial vor Ort, nicht einmal eine Straße, die diesen Teil Tansanias mit dem Rest der Welt verbindet. Lediglich per Boot ist der Ort Lumbila erreichbar. Das hat die Arbeit der Pädagogin nicht erleichtert. Trotzdem konnte sie einiges auf den Weg bringen, freut sich die Hörschingerin.

Doch nicht nur die Bewohner der Region haben von dem Aufenthalt profitiert, auch Johanna Kilpatrick selbst, die angesichts der Armut und der kaum vorhandenen medizinischen Versorgung viel gelernt hat. „So ein Einsatz lehrt einen viel Demut“, sagt sie. Dabei glaubt sie, dass die unbeschreibliche Armut die Bewohner weniger belastet. „Die haben mehr Lebensfreude als hier bei uns“, sagt die 59-Jährige. Das wahre Problem sei die medizinische Versorgung. „Rund um mich hat die Malaria gewütet – es ist schlimm, das mitansehen zu müssen“, sagt Kilpatrick.

Trotzdem – oder gerade deshalb – will Johanna Kilpatrick im Herbst erneut nach Tansania reisen. Es hat sich bestätigt, was ihr vorab prophezeit worden war: „Mit offenem Herzen nach Afrika zu reisen, ist wie eine Infektionskrankheit, von der man nicht geheilt werden kann. Afrika wird dich nicht mehr loslassen.“
Quelle: ooeNachrichten
Bild: privat

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