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24 November 2010

Haiti: Die Cholera kommt ins Camp

Von Amanda George, IFRC

Tränen kullern einer jungen Mutter die Wangen hinunter, während sie ihr Kind in den Armen schaukelt. “Mein Baby, mein Baby, mein Baby ist krank”, ruft sie. Eine ehrenamtliche Rotkreuzhelferin fragt sie, wann das Kind krank wurde und welche Symptome es hat. Die Helferin beschließt, dass die Lage ernst ist und die Mutter ihren kleinen Sohn in das Beobachtungszelt bringen soll, die das Rote Kreuz in La Piste, dem großen Lager für Erdbebenopfer in Port-au-Prince, eingerichtet hat.

“Wir hoffen noch das Beste – nämlich dass sich die Cholera nicht in Port-au-Prince ausbreitet – aber wir bereiten uns auf das Schlimmste vor”, sagt Borry Jatta, Hygienespezialist beim Britischen Roten Kreuz. “In diesem Camp wohnen mindestens 50.000 Menschen, es ist eines der größten in Port-au-Prince. Wir wussten, wenn die Cholera in die Hauptstadt kommt, dann kommt sie zuerst nach La Piste.”

Die Vorsorge hat sich gelohnt. Mindestens 300 Menschen mit choleraähnlichen Symptomen haben in den vergangenen drei Tagen die Cholerastation aufgesucht. Die Station ist gut genug ausgestattet, um mit dem Patientenandrang zurechtzukommen. Sie besteht aus zwei Teilen: In der einen Hälfte halten sich die Menschen auf, die eine orale Rehydratation benötigen, sprich durch Trinken sehr viel Flüssigkeit und Elektrolyte aufnehmen müssen und ansonsten die meiste Zeit schlafen. In der anderen Hälfte liegen die schweren Fälle: Menschen, die schon so viel Flüssigkeit verloren haben, dass sie intravenös behandelt werden müssen. Ehrenamtliche Rotkreuzhelfer desinfizieren die Station regelmäßig mit Chlor, das sie auf Boden, Betten, Eimer und Wände sprühen.