Posts mit dem Label Militär werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Militär werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

15 September 2010

Schaufel und Krampen statt Sturmgewehr

Das Bundesheer-Militärkommando Oberösterreich hat ein Netzwerk für den Katastropheneinsatz geknüpft. Wenn notwendig, stellen Baufirmen Maschinen samt Bedienungspersonal, eine Versicherung deckt alle Risiken ab und von einer Bank kommen Infrastrukturunterstützung sowie Gebrauchs- und Verbrauchsgüter bis zur Verpflegung der eingesetzten Kräfte - alles unentgeltlich.

Militärkommandant Kurt Raffetseder stellte bei der Präsentation des Projektes fest, dass in Katastrophenfällen zunächst die Feuerwehr zum Einsatz komme. Wenn das nicht mehr ausreiche, leiste das Bundesheer Assistenz. Es sei geeignet, derartige Einsätze zu organisieren, durchzuführen und zu Ende zu bringen. Doch in manchen Fällen fehle es an Maschinen jeder Art und Größe.

31 Oktober 2008

Offiziere lernen Kriegsregeln in konkrete Aktionen umzusetzen


Genf (IKRK) – Im Bemühen, die Theorie in die Praxis umzusetzen, werden höhere Offiziere aus der ganzen Welt am 3. November in Genf zusammenkommen, um konkrete Schritte zu erörtern, wie man die Regeln bewaffneter Konflikte in die Ausbildung und die geltenden Vorschriften integrieren und so die Auswirkungen des Krieges auf Zivilisten und ihr Eigentum begrenzen kann.

Die Offiziere sind Teilnehmer am diesjährigen Senior Workshop über Regeln des Völkerrechts bei der Führung militärischer Operationen, den das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und die Schweizer Armee organisieren.

„Es sind die Zivilisten, die am meisten unter den bewaffneten Konflikten in aller Welt zu leiden haben“, sagt Yves Daccord, IKRK-Direktor für Kommunikation. „Heute zählen Zivilisten zur grossen Mehrheit der Kriegsopfer. Aber das kann sich ändern. Indem man das humanitäre Völkerrecht dem militärischen Personal leichter verständlich und zugänglich macht, hofft das IKRK den Kämpfenden die Richtlinien zu vermitteln, die sie brauchen, um jeweils die richtige Wahl zu treffen. Es ist wichtig, dass die Kenntnis der Regeln auch zu einem Verhalten führt, das die Regeln befolgt.“

An dem zweiwöchigen Workshop in Genf und Stans (in der Nähe von Luzern) nehmen höhere Offiziere aus 50 Ländern teil. Sie kommen aus Ländern, die bewaffnete Konflikte erleben wie Pakistan, Sri Lanka und Burundi, oder aus NATO-Mitgliedstaaten wie dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten. In der ersten Woche werden sich die Teilnehmer namentlich damit beschäftigen, wie man das in einer gegebenen Situation anwendbare Recht bestimmt und wie man es am besten in die Ausbildung und die geltenden Vorschriften einbezieht. In ihren Diskussionen wird es um eine Vielfalt von Themen gehen, darunter die Führung von Operationen, das Verhalten der Kämpfer im Feld, Friedens-Unterstützende Operationen und Befehlsverantwortung. In der zweiten Woche gibt die Schweizer Armee eine praktische Demonstration.

Das IKRK unterhält Beziehungen zu den Streitkräften von etwa 160 Staaten, rund 60 bewaffneten Gruppen und mehreren privaten Militär- und Sicherheitsgesellschaften im Bemühen sicherzustellen, dass sie bei ihren Operationen das humanitäre Völkerrecht einhalten. Dies ist seine Antwort auf die Aufforderung der internationalen Gemeinschaft, das IKRK solle dazu beitragen, das humanitäre Völkerrecht, das auch als Kriegsvölkerrecht oder Recht der bewaffneten Konflikte bekannt ist, in die Erziehung, Ausbildung, Doktrin und Operationen der Streitkräfte in aller Welt einzugliedern. Das IKRK bemüht sich ebenfalls darum sicherzustellen, dass andere Waffenträger diese Regeln einhalten und dass sie insbesondere den humanitären Helfern gestatten, ihren Aufgaben nachzugehen.

Weitere Auskunft erteilen: Marçal Izard, IKRK Genf, Tel. +41 79 217 32 24 oder besuchen Sie unsere Website: www.icrc.org
Quelle: Rotes Kreuz

11 Juli 2008

„Vernunftehe“ voller Probleme" - Wenn Soldaten und NGOs zusammen marschieren

Ob im Tschad oder auf dem Balkan: Soldaten und zivile Helfer sind immer mehr aufeinander angewiesen.

Es war schon eine außergewöhnliche Mischung: Junge Frauen in bunten T-Shirts, ältere Herren in Sakkos und dazwischen Männer in französischen Militäruniformen. Sie alle hatten sich in der Cafeteria des UNHCR-Hauptquartiers in Abéché eingefunden, um über ein gemeinsames Anliegen zu diskutieren: die Hilfe für die zehntausenden Flüchtlinge im Osten des Tschad.

Die Arbeitsteilung bei der Mission ist klar: Die EU-Truppe Eufor, an der sich Österreich mit 160 Mann beteiligt, sorgt rund um die Flüchtlingscamps für Sicherheit. Für die Lager selbst ist das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR verantwortlich. Dazu kommt eine Reihe von Hilfsorganisationen, die sich ebenfalls um die Vertriebenen kümmern.

Ob im Tschad, in Afghanistan oder auf dem Balkan: Soldaten in internationalen Einsätzen müssen immer enger mit zivilen Helfern kooperieren – und umgekehrt. „Moderne Friedenseinsätze sind nur mehr im Verbund von Militär und zivilen Organisationen möglich“, meint der österreichische UN-Veteran General Günther Greindl. Selbst die USA hätten etwa in Afghanistan erkennen müssen, dass sie zwar einen Krieg führen können. Der Wiederaufbau des Staates sei aber ohne NGOs und internationale Organisationen nicht bewältigbar.

Doch in der Vernunftehe aus Militär und Hilfsorganisationen kriselt es immer wieder. „Ein Problem ist, dass zwei verschiedene Geisteshaltungen aufeinander treffen“, sagt Greindl. Auf der einen Seite stehen Soldaten, die Aufträge innerhalb hierarchischer Strukturen ausführen; auf der anderen Seite NGOs, denen oft alles Militärische suspekt ist. „Durch gemeinsame Ausbildung könnten Berührungsängste abgebaut werden“, so der Präsident der „Vereinigung Österreichischer Peacekeeper“. Eine Organisation, die eine Zusammenarbeit mit dem Militär möglichst vermeidet, ist „Ärzte ohne Grenzen“ – aus Sorge, nicht mehr als unparteiisch wahrgenommen zu werden. Besonders bedenklich sei, dass Armee-Einheiten zunehmend selbst als „Hilfsorganisationen“ auftreten, kritisiert Sabine Kampmüller, zuständig für Projektevaluierung bei „Ärzte ohne Grenzen“. „Wir sind in Afghanistan in Dörfer gekommen, wo Soldaten in T-Shirts Wasser verteilt haben.“ Und die Hilfe der US-geführten Truppen sei natürlich an Bedingungen geknüpft gewesen – etwa an die Auslieferung von Taliban-Kämpfern.

Die Afghanen könnten so kaum mehr zwischen Soldaten und neutralen Helfern unterscheiden. „Damit verlieren wir das Vertrauen der Menschen. Das wirkt sich negativ auf unsere Sicherheit aus.“

Auch im Tschad versucht „Ärzte ohne Grenzen“ auf Distanz zur EU-Truppe zu bleiben. „Wir begrüßen zwar, dass Eufor die Bevölkerung schützt. Für uns selbst haben wir aber nie um Schutz gebeten“, meint Kampmüller. Beim UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR entscheidet man von Fall zu Fall, ob und wie man mit Militärs kooperiert. So habe das UNHCR etwa 2006 nach schweren Überschwemmungen in Kenia 240 Tonnen Hilfe von den US-Streitkräften einfliegen lassen, berichtet UNHCR-Sprecher Roland Schönbauer. Und 2004 transportierten französische Hercules-Maschinen und Puma-Helikopter Versorgungsgüter für das UNHCR in die Flüchtlingslager im Tschad.

Gerade im Tschad ist die Kooperation zwischen dem UNHCR und der EU-Truppe, die ein UN-Mandat hat, eng. Bei aller Zusammenarbeit sei aber eines wichtig, meint Schönbauer: „Die Rollen müssen klar verteilt bleiben.“

Die neuen Herausforderungen für Soldaten im Umgang mit zivilen Organisationen sind auch Thema beim internationalen Blauhelmforum 2008 in Salzburg. Veranstaltet wird das Forum von der Vereinigung Österreichischer Peacekeeper.
Quelle: WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)
Bild: österreichisches Bundesheer