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17 Dezember 2008

1000 Cholera-Tote: Mit der Regenzeit kommt die Katastrophe

Nach offiziellen Angaben sind in Simbabwe 18.000 Menschen an Cholera erkrankt. Die Regenzeit wird die Ausbreitung der Epidemie noch verschlimmern.

Die Cholera-Eidemie breitet sich in Simbabwe unaufhaltsam weiter aus. Die Zahl der Opfer liegt bei annähernd 1000, wovon die Hälfte auf die Hauptstadt Harare entfallen. Dem UNO-Büro für die Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) liegen 18.413 Cholera-Fälle vor. Wenn es nicht gelinge, alle Kräfte zu mobilisieren, steuere das Land auch angesichts der einsetzenden Regenzeit auf eine Katastrophe zu, sagten am Dienstag Vertreter der Föderation der Rotkreuz- und Roter Halbmond-Gesellschaften (IFRC) in Genf.

Derzeit gebe es mehr als 10.000 Cholera-Fälle in Angola und über 8000 in Mosambik, so das UNO-Büro. Viele Wanderarbeiter aus Südafrika kämen außerdem über Weihnachten in ihre Heimat zurück und könnten sich anstecken. Die Hilfsorganisationen haben Flugblätter zur Aufklärung verteilt. Auch die Unterstützung durch amtliche Stellen sei da, aber häufig wenig wirksam.

Die Regenzeit könne die Ausbreitung der Epidemie noch verschlimmern, erklärten die Experten. "Wir kämpfen gegen die Uhr, es ist kritisch", hieß es. Die Lage sei nicht unter Kontrolle. Zwar habe das Rote Kreuz etwa 30.000 Freiwillige in Simbabwe. Aber viele Helfer, Ärzte und Krankenschwestern kämen nicht zur Arbeit, weil sie nichts zu essen hätten oder den Bus nicht bezahlen könnten. Ohnehin sei die Versorgung mit Lebensmitteln äußerst schwierig. "Wer an der Cholera erkrankt, aber vier bis fünf Tage keine Mahlzeit hatte, hat kaum eine Chance", hieß es.

Kritisch wurde die Lage auch beim Kinderhilfswerk der UNO, UNICEF, beurteilt: "Die Situation der Menschen ist verzweifelt. Die internationale Hilfe muss dem Ernst der Lage entsprechen und schnellstens ausgeweitet werden. Zusammen mit der akuten Nahrungsmittelknappheit und der AIDS-Epidemie ist dies die schlimmste Bedrohung für das Überleben und die Entwicklung der Kinder in Simbabwe seit über 20 Jahren", sagte der Leiter von UNICEF in Simbabwe, Roeland Monasch.
Quelle: diePresse.com
Bild: Symboldarstellung

05 Oktober 2007

Deutsch-Schwedischer WatSan-Einsatz im Sudan

Die Regenzeit kam früher als sonst
"Auf die Regenzeit freuen sich die Menschen das ganze Jahr. 2007 kam dann alles anders. Die Niederschläge begannen einen Monat vor der üblichen Zeit. Zweimal waren sie so heftig, dass es zu großen Schäden kam", sagt Osman. Die Menschen hätten Angst, dass die Regenfälle mit dem Klimawandel zusammenhängen. Insgesamt 17 afrikanische Länder sind zurzeit von Überflutungen betroffen.
Faqeir Edris Faqeir befürchtet, dass sich in den gewaltigen Wasserlachen im Viertel die Moskitos vermehren und mit ihnen Malaria über seine Familie kommt. Auch die finanzielle Zukunft sieht er mit Besorgnis. "Wie sollen wir das alles wieder aufbauen, womit das Verlorene bezahlen?", seufzt der alte Mann. Süßigkeiten, Socken und Seife haben die Faqeirs verkauft. Die meiste Ware ist verdorben.
Unbrauchbar ist auch der Wasserhahn, der aus dem Schlamm hervorragt. Der alte Mann dreht ihn auf, es kommt kein Tropfen heraus. Aber das verschmutzte Wasser könnte die Familie ohnehin nicht trinken. Damit das Flutwasser abfließen kann, wurden in den betroffenen Vierteln Gräben gezogen. Eine ungeliebte Folge der hastigen Graberei: Viele Wasserleitungen sind beschädigt, das Wasser verschmutzt. Im Viertel der Faqeirs ist kaum noch eine Latrine intakt. Fäkalien, Müll - alles wurde fortgeschwemmt.



"Nach einer Katastrophe die Versorgung der Betroffenen mit sauberem Trinkwasser sicherzustellen, ist eine der wichtigsten Aufgaben", sagt DRK-Teamleiter Johann Keppler. "Sonst drohen Durchfallerkrankungen und Seuchen. In Kosti werden wir mindestens 20.000 Menschen mit Trinkwasser versorgen, eventuell wird die Kapazität noch erhöht."
Hinter Keppler glänzen zwei Wassertanks in der Sonne. Gerade eben aus Deutschland eingeflogen und aufgebaut, keine zwei Kilometer Luftlinie von den Faqeirs entfernt. Bald wird ein dritter Tank stehen.
"Wir pumpen das kontaminierte Wasser aus der vorhandenen Leitung in die Tanks, reinigen es und stellen es dann zur Verteilung an die Bevölkerung zur Verfügung. Das Wasser wird zuerst mit Eselkarren verteilt, schrittweise muss dann das Leitungssystem in Ordnung gebracht werden", so Keppler.
Hilfe zur Selbsthilfe
Wolfgang Hahn heißt der zweite Deutsche im Team, daneben sind zwei Schweden und ein Kenianer im Einsatz. Vier bereits ausgebildete Helfer des Sudanesischen Roten Halbmonds packen beim Aufbau und Betrieb ebenfalls mit an, zehn weitere Helfer aus Kosti sollen trainiert werden. "Wenn das Deutsche Rote Kreuz abzieht, sind unsere Freunde vom Sudanesischen Roten Halbmond bestens ausgebildet. Das ist eine wichtige Stärkung für den zukünftigen Katastrophenschutz vor Ort, eine Investition in eine sicherere Zukunft", sagt Keppler.
Keine zwei Kilometer entfernt lebt ein 70-Jähriger in Trümmern. Faqeir Edris Faqeir hat an diesem Tag nicht mehr viel aus dem Schlamm retten können. Sauberes Trinkwasser aus dem Hahn, das wäre ein wichtiger Anfang.

Der Journalist und Fotograf Till Meyer arbeitet neben seiner Tätigkeit als Tageszeitungsjournalist regelmäßig für das DRK.
Quelle: n24.de